BUND Kreisverband
Groß-Gerau

CORONA-SPAZIERGANG IM REGEN

07. Februar 2021

Der Spaziergang mit meiner Frau Hanne wurde zu einer Art fotografischer Feldbegehung eines Teils der Mörfelder Gemarkung zwischen Egelsbächer Weg und Hegbach. Zu unserer Überraschung saß ein großer pitschnasser Vogel im Storchennest, der erst aus der Entfernung sich eindeutig durch sein Klappern bei einer Kontroverse mit Krähen und Elstern zu erkennen gab. Früh im Jahr, aber vielleicht hat der Sahara-Sand, der in den letzten Tagen bis zu uns drang, ihn mitgebracht. Hoffentlich nicht zu früh angesichts der Schneestürme im Band von Nordrhein-Westfalen bis Sachsen, wo die südliche Warmfront mit einer heftig großen Kaltfront aus dem Norden zusammenstieß.

Die Felder waren pitschnass, einer unserer Routinewege vom Bauern tief ausgefahren und zu einem Teich geworden. Da der Landwirt wie viele andere sein Feld bis knallhart an den Feldweg – oder vielleicht ein bisschen darüber: man weiß es oft nicht so genau, je mehr Fläche, je mehr Zuschüsse aus dem GAP, dem gemeinsamen Agrarprogramm der EU – also ausgedehnt hat, ohne Platz für einen Grünstreifen, geschweige denn einen BLÜHstreifen, liefen alle Leute ohne Schwimmflossen halt über die Wintersaat. Auch nicht schön, aber so zieht das eine das nächste nach sich.

Die Vorflutergräben erfüllten ihren Zweck und standen rappelvoll, sogar mit etwas Strömung. Und aus dem sommerlich ausgetrockneten Hegbach war fast ein Flüsschen geworden – naja, bisschen übertrieben, aber er war breiter und tiefer geworden, mit ordentlich Strömung hinter den vielen Sturm-Hölzern im Bach. Aber wir wollen ja eine Verringerung der Fließgeschwindigkeit, damit das Wasser nicht nur Köln überschwemmt, sondern in den Boden versickert und die viel zu kleinen und niedrigen Grundwasserkörper auffüllt. Wird aber wohl immer noch nicht reichen, so dass im Ried verstärkt infiltriert werden muss, um den Wald dort zu retten.

Nicht nur hier im Wald hat der Forst mit riesigen Maschinen – Gibt´s eigentlich keine kleineren? – Ordnung geschaffen. Überall liegen vom Harvester zugeschnittene und entastete Stämme herum. Fragt sich, wer das kaufen will, wo die Märkte nach den Stürmen und Schädlingsbefall überschwemmt sind mit Holz. Oder ist man jetzt wieder allmählich zu der Strategie der SAUBEREN WALDBEWIRTSCHAFTUNG früherer Jahrzehnte zurückgegangen? Problem könnte sein, wenn man den Wald ausräumt, dass damit natürlich auch das im Holz gespeicherte CO2 freigesetzt werden könnte. Im Wald liegt es ja ruhig und stört nur Ordnungsfanatiker*innen. Oder geht es um Freiflächen zu forstlicher Wiederaufforstung oder Sukzessionsversuchen, also natürlichem Selbstaufwuchs?

So viele Fragen! Aber schön war es, in der regengereinigten Luft zu spazieren. Wir haben uns über den Storch gefreut und das viele Wasser, das sich jetzt mal für den Sommer aufheben sollte, aber da schwitzen wir wohl wieder viel zu viel. Ist halt chaotischer geworden mit dem Wetter in der Klimakatastrophe. Hoffentlich verregnet es den Bauern nicht die aufgekeimte Saat.

Herbert A Debus

Nicht-wissenschaftlicher kleiner Bildbericht unseres Kreisgeschäftsführers zu einer „Begehung“ der verregneten Mörfelder Gemarkung. Wir freuen uns über Texte zu Natur, Wetter und Zeit, die wir nach Möglichkeit auf der Website veröffentlichen. Bitte einsenden an unseren Webmaster: t.jaworr@bund-kv-gg.de

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