BUND Kreisverband
Groß-Gerau

BUND kritisiert Bienengift-Notzulassung ohne Not: Keine Bienen- und Artenkiller auf Zuckerrüben im hessischen Ried!

17. Februar 2021 | Chemie, Umweltgifte, Wildbienen

Reaktion auf den Artikel im Groß-Gerauer Echo vom 27.1.2021 „Die Rüben, das Gift und der Tod“

Der Kreisverband Groß-Gerau des BUND kritisiert, dass die grüne Hessische Umweltministerin Priska Hinz einer Notfallzulassung für die Behandlung des Zuckerrüben-Saatguts mit dem giftigen Pflanzenschutzmittel Cruise FS zugestimmt hat! Dieses Insektizid soll als Virusvektor Blattläusen und Vergilbungsviren den Garaus machen. Nachdem die Fa. Südzucker vor Jahren Ihre Fabrik in Groß-Gerau geschlossen hat, ist sie mit dem Rübenanbau im Kreis Groß-Gerau immer noch aktiv. Ihr ist es jetzt gestattet worden, gebeiztes Zuckerrüben-Saatgut auf ihren Vertragsflächen im hessischen Ried auszusäen, in ganz Hessen sind es ca. 5400 ha.

Das Mittel Cruise FS enthält den Wirkstoff Thiamethodoxan und gehört zu den sogenannten Neonicotinoiden, kurz Neonics. Diese sind Kontakt- und Fraßgifte und die am häufigsten angewendeten Pestizide. Die Neonics wurden von der EU 2o18 als umwelt- und gewässergefährdend eingestuft und im Außenbereich verboten. Sie gelten als hochgiftig für Wild- und Honigbienen und sind dabei für das Verschwinden von Bestäubern und mit ihnen vernetzten Arten in hohem Maße mitverantwortlich.

Dem Protest von Umweltverbänden zum Trotz hatte die EU auf Druck der Agrarlobby ein Hintertürchen offengelassen: die sogenannte Notfallzulassung. Sie erlaubt die Verwendung von Thiamethodoxan als Beizmittel für z.B. Futterüben, Zuckerrüben und Kartoffeln. Landwirtschaftsverbände hatten argumentiert, dass ohne die Samenbeizung mit Neonics flächendeckende und mehrmalige Sprühungen ihrer Äcker notwendig würden (was sie so gar nicht mehr dürften). Aus Sicht des BUND verstößt die Erlaubnis für pestizidhaltige Saatgutbeize ebenfalls gegen die gesetzlichen Bestimmungen des EU-Pflanzenschutzrechts, das den integrierten Pflanzenschutz vorschreibt. Das Problem dieses Pestizids, das den Samenkörnern anhaftet: Bis zu 99% gelangt davon in die Böden und Oberflächengewässer, wo es Bodenorganismen und Gewässerfauna tiefgreifend schädigt und schließlich in unsere Nahrungskette gelangt. Und dies ausgerechnet hier im ohnehin gewässersensiblen Hessischen Ried! Daran ändert für den BUND auch die sog. "Pillierung" grundsätzlich nichts, also die pillenartige Ummantelung des Rübensaatguts.

Sieben Bundesländer, Agrarverbände und Zuckerrübensaatguthersteller hatten sich in den vergangenen Monaten für eine Notfallzulassung ausgesprochen. Dieser Antrag wurde im Dezember 2020 von der grünen hessischen Umweltministerin Priska Hinz über das Pflanzenschutzdezernat beim RP Gießen ohne Zögern erteilt. Herbert Debus vom BUND Kreis Groß-Gerau „sieht in der Genehmigung durch die Umweltministerin einen Widerspruch zu den Zielen, Programmen und Aktionsprojekten ihres Hauses“. Wonach klingt diese „Notfall“-Zulassung? Nach ökologischer Konsequenz und Unbeugsamkeit? Oder nach Einknicken vor den mächtigen Verbänden von konventioneller Landwirtschaft und Agrochemie?

Das hessische Aktionsprogramm:" Bienenfreundliches Hessen" wird so ad Absurdum geführt. Statt "für die Bienen und Insekten zu sensibilisieren und ihnen Lebensräume zurückgeben." so Andreas Swirschuk vom Kreisvorstand des BUND. Mehr als 80 % unserer Kultur- und Wildpflanzen seien auf die Bestäubungsleistung von Bienen und anderen Insekten angewiesen.

Aus Sicht des BUND Kreis GG ist diese Notfallzulassung nicht nötig, so Gutta Dreyer , denn auch für den Zuckerrübenanbau gäbe es bei vorhandenem politischem Willen und entsprechender Förderung umweltverträgliche Verfahren.

In diesem Zusammenhang verweist der BUND auf die im letzten Jahr gestartete Unterschriftensammlung der Europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“. Diese Kampagne wurde von einem breiten Bündnis von Organisationen aus den Bereichen Umwelt- und Artenschutz, Gesundheit, Landwirtschaft und Bienenhaltung ins Leben gerufen, um europaweit den überfälligen Wandel in der Landwirtschaft anzustoßen. Hierbei gehört der Ausstieg aus der Nutzung von Pestiziden zu einer der Hauptforderungen. Wichtig sei, dass Landwirtinnen und Landwirte beim Übergang tragfähig unterstützt werden und umsetzbare Lösungen gefunden werden. Dafür steht der BUND Kreis Groß-Gerau.

Herbert Debus, Andreas Swirschuk (Kreisvorstand Groß-Gerau)

 

Verwendete Quellen:

https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/europaeische-buergerinitiative-bienen-und-bauern-retten-gestartet
https://pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de/fileadmin/dokumente/warndienst/saison_2021/art__53_cruiser_600_fs_-_rp_gi.pdf
www.aurelia-bienenundbauern.de

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb