BUND Kreisverband
Groß-Gerau

BUND klagt an: Diese Politik bedroht unser Trinkwasser

23. April 2021

Foto von Marcin Jozwiak von Pexels

Angesichts der drängenden Probleme des Grundwassers und der Oberflächengewässer im Kreis erwartet der BUND Kreisverband Groß-Gerau entschlossene und mutige Schritte der nach der Kommunalwahl neu zusammengesetzten politischen Gremien zur Einrichtung von sogenannten 4. Reinigungsstufen der Klärwerke zur Spurenstoffelimination. Die Landesregierung ist dringend aufgefordert, entsprechende Fördermittel weiter aufzustocken und den Kommunen zur Verfügung zu stellen.

Die Umweltschützer freuen sich über eine neue Untersuchung des hess. Umweltministeriums in Bearbeitung des Regierungspräsidiums zur Klärung, ob und inwieweit sich die Belastungssituation im Landgraben „mit verhältnismäßigen Maßnahmen kurzfristig ändern lässt, ohne das Grundwasser [durch die Lösung von im Bachbett gebundenen Gefahrenstoffen] zu gefährden“. Sie mahnen, dass  „Verhältnismäßigkeit“ angesichts der Bedrohung des Grundwassers nicht finanziell restriktiv definiert werden dürfe. 

Die hessische Landesregierung hat nach zähem Kampf mit den Umweltverbänden entschieden, nur 6 Kläranlagen von ca. 50 in Südhessen mit einer 4. Reinigungsstufe auszustatten. Die Bauzeit dieser weiteren Reinigungsstufen beträgt rund zwei Jahre. „Die Landesregierung lehnt weiterhin ab, die Umrüstung aller Kläranlagen mit einer 4. Reinigungsstufe staatlich anzuordnen. Wir kritisieren dieses Vorgehen und fordern mehr Förderung zur Sicherung sauberen Trinkwassers“, erklärt Reinhard Seiler vom Vorstand  des  BUND Groß-Gerau. Andere Bundesländer seien mit der Einführung weiterer Reinigungsstufen bereits deutlich weiter fortgeschritten.

In der Debatte um die 4. Reinigungsstufe geht es um das Herausfiltern von Spurenstoffen, d.h. Mikroschadstoffen wie etwa Medikamentenresten. Die herkömmlichen modernen Großkläranlagen sind zurzeit in der Lage nur ca. 70 Prozent dieser Spurenstoffe zu beseitigen. Der Rest von 270 unterschiedlichen z.T. toxischen Chemikalien verbleibt im geklärten Abwasser und versickert seit Jahrzehnten über die Bäche ins Grundwasser. So bedrohten sie mittel- bis langfristig die noch gute Qualität des Trinkwassers im  Rhein-Main-Gebiet, fürchtet Gutta Dreyer vom Vorstand. Diese 4. zusätzliche Klärstufe  sieht Vorstandssprecher Reinhard Seiler von der Wasser-AG des Kreisverbandes als geeignete Antwort auf die zunehmende Belastung der Gewässer mit toxischen (giftigen) Spurenstoffen und Rückständen von Arzneimitteln. Die grundlegendere Forderung müsse aber in der konsequenten Durchsetzung des Verursacherprinzips durch geeignete ordnungspolitische Maßnahmen bestehen.  Er pointiert, „Trinkwasser darf durch schleichende Qualitätsverschlechterung nicht über weitere Marktöffnung langfristig noch stärker zum Handelsobjekt für Privatkonzerne im Wasserbereich (wie z.B. Nestlé) werden“.

Dieses belastete Grundwasser werde in den Sommermonaten zudem unkontrolliert für Beregnungsanlagen von der Landwirtschaft genutzt und trete so in den Ernährungskreislauf ein.
Trotz beschlossener Wasserrahmenrichtline der EU verkämen seit Jahren fast alle Bäche im Ried zu stark belasteten Vorflutern. Damit würden sie zu einer Gefährdung der Gesundheit der Menschen im Rhein-Main-Gebiet, befürchten die Umweltschützer.

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