Gemeinden und Flächen in Not

Der BUND Kreisvorstand Groß-Gerau warnt dringend vor der Gefahr durch wachsende Bodenversiegelung und Besiedlungsdichte. Verweisen könne er hier auf Alarmrufe aus dem Bundesumweltministerium, auf dessen Website zu lesen ist: „Täglich werden in Deutschland rund 66 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Dies entspricht …ca. 94 Fußballfeldern. …Fläche ist jedoch – wie auch der Boden - eine endliche Ressource, mit der der Mensch sparsam umgehen muss, um sich seine Lebensgrundlagen zu erhalten. Flächenverbrauch ist ein schleichendes Phänomen. Bürger und selbst politische Entscheidungsträger nehmen es kaum wahr. Daher mangelt es weithin am nötigen Problembewusstsein.“ (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit; Zuletzt geändert: 23.01.2017)
Deshalb appelliert der Kreisvorstand des BUND Groß-Gerau an Gemeinden, die unbebauten, unversiegelten Flächen nicht weiter aus kurzsichtigen Interessen in der Bauleitplanung freizugeben.
Dies stimme besonders besorgniserregend, wenn wie in Biebesheim eine Fläche ausgewiesen werden solle, die nicht allzu weit von mehreren Störfallbetrieben liege. Das Hochwasserisikomanagement des Rheins weise aus, dass hier bei Extremhochwassern eine Überflutung bis zu zwei Metern Höhe möglich sei. Auch weitere Baumaßnahmen in der Hessenaue z.B. lehne der BUND ab. „Auch wenn leider dieses Gebiet nicht als Polder zum Schutz von Mainz, Wiesbaden und Köln ausgewiesen wurde, wird bei Extremhochwassern das Klagen wieder groß sein und der Steuerzahler blechen müssen.“, warnt Henner Gonnermann vom Kreisvorstand.

Der BUND ist eine als Umwelt- bzw. Naturschutzvereinigung nach § 3 Umweltrechtsbehelfsgesetz
„anerkannte Vereinigung“, was ihm das Recht „zur Gelegenheit zur Stellungnahme“ und „zur Einsichtnahme in die einschlägigen Gutachten“ gibt.
In den letzten Jahren und Monaten erhält der Verband nach Aussage von Kreisgeschäftsführer Herbert Debus zunehmend so Aufforderungen zur Stellungnahme zu z.B. Bauleitplanungen der Gemeinden, die in wachsendem Maße aus verschiedenen Gründen alarmierend empfunden werden. Herausgreifen möchte Debus hier die erwähnte Problematik der wachsenden Flächenversiegelung und damit des Verlustes von CO2 speichernden oder „schluckenden“ Acker- oder Wiesenflächen.
Dieser Flächenverbrauch als Verlust auch von Anbaufläche für regionale Lebensmittel sei natürlich einerseits durch das private Interesse von Bauherren (damit potentiellen Wähler*innen) oder investitionsinteressierten Unternehmen bedingt; andererseits durch die missliche Finanzausstattung der Kommunen bei wachsenden Belastungen, die sie im Wesentlichen auf eigene Anstrengung nur durch immer weitere Ausweisung von Bauflächen und insbesondere Gewerbeansiedlungen meinen lindern zu können. Dem BUND ist auch der weitere Zielkonflikt durch den sogenannten Siedlungsdruck durchaus bewusst. Er verweist aber als Ursache u.a. auf die konzentrationsfördernde Industrie- und Gewerbepolitik hin, die Arbeitssuchende in die Ballungszentren zwingt, Dörfer und Kleinstädte vergreisen und veröden lässt und immer mehr Verkehre erzwingt. Gentrifizierung in den Innenstädten - also die Vertreibung von Menschen aus bezahlbaren Wohnungen und die Schaffung immer größerer und teurerer Wohnungen sowie die spekulative Überversorgung mit in Frankfurt
z.B. über 1 Million m² leerstehenden Büroflächen trügen ihr Teil dazu bei.

Deswegen werde sich der BUND in Abwägung der Schutzinteressen von Mensch und Natur einerseits und den Interessen der Gemeinden andererseits für langfristig nachhaltige Lösungen und damit gegen weitere Ausweisungen von Wohn- oder oft dann nur teilgenutzten Gewerbeflächen besonders in sensiblen Gebieten aussprechen.

aktualisiert am: 15.08.2017